Gran Canaria (01.01. - 08.01.2017)

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Vorsätze fürs neue Jahr sollten ja bekanntlich so schnell wie möglich in Angriff genommen werden bevor sie verfliegen wie eine warme Böe über den Kanaren.
Gerade noch ein paar Raketen in den Himmel geschossen, x-mal "Frohes neues" gewünscht und schon saßen Claire und ich in einer Ryanair-Maschine in Richtung Las Palmas de Gran Canaria. 

Auf unserem Flug über den Atlantik wurden wir durch eine fünfstündigen Reality-Soap-Folge einer spanischen Großfamilie unterhalten. Tragischer Schlussakt dieser Vorführung echter Familiendramatik:
Die Oma der verzogenen Göre (mit Verständnis für mobile Technologien) haut ihrem Enkel eine runter. Verzogener Knilch löscht daraufhin klammheimlich ALLE  Familienfotos des Berlin-Urlaubes vom Tablet. Wir wünschen Feliz Navidad!


Auf Las Palmas angekommen, buchten wir einen fahrbaren Untersatz mit integriertem Kompass und sonstigem Schnickschnack, der uns auf unserer kommenden Inselodyssey begleiten sollte. Wie  naiv wir bis dahin noch waren, sollte uns später noch klar werden.
Das französische Automobil brachte uns über Umwege zu unserer Gastmama Sara nach Vegueta, der Altstadt von Las Palmas. Hier drängen sich farbenfrohe Kastenhäuser ohne ersichtliches Nummerierungsprinzp dicht an dicht. Womöglich pinselten die damaligen Häuslebauer irgendwelche Zahlen an die Fassaden und schütteln sich heute noch vor lachen. Sehr lustig! Wo einst Lava ins Meer strömte, erstrecken sich heute diese bunten Würfel zwischen dem nimmersatten Grün der Sukkulenten und Drachenbäume und der Ödnis schwarzsandiger Dünen. Bei Temperaturen um die 28°C und einer beständigen Brise meint man tatsächlich im  immerwährenden Frühling angekommen zu sein. Frühling im deutschen Sinne, denn der gemeine Kanarier führt bei diesen wonnigen Temperaturen noch immer seinen sibirischen Wintermantel spazieren. Bedenke: Auf einer Insel, die sich denselben Breitengrad mit der Sahara teilt und das Thermometer nie unter 15°C fällt!
Daher scheint auch das Weihnachtsfest auf den Kanaren so fehl am Platz wie ein Rassist als Präsident der USA.

 

 

An sich sind die Kanarier ein echt entspanntes Inselvölkchen. Übers Wetter wird sich mit Sicherheit niemand beklagen, übers Essen sowieso nicht, der Fußballclub spielt zumindest in der ersten Liga - nur die Parkplatzsituation auf Las Palmas lässt auch den gechilltesten Surferdude verrückt werden. Aus eigenen Erfahrungen ist das ein gesamtspanisches Problem aber einige bleiben halt unbelehrbar. Pech für uns, wenn man nach zweistündiger Parkplatzsuche doch ins feindliche Parkhaus einfahren muss. Die schmerzhafte Endstation jedes Autofahrers. Es tut einfach im Portemonnaie weh, wenn man am nächsten Morgen 20,-€ für ein stehendes Auto abdrücken muss.

 

 

Was Innerorts einer Katastrophe gleicht, rechnet sich aber auf den schmalen Gebirgszügen ausserorts. Mit dem Auto den Norden der Insel zu erkunden, Wallfahrtsorte wie Teror besuchen und dabei drei Ave Maria abzulegen oder den üppigen Botanischen Garten aufzusuchen, brachte uns in die erhoffte Urlaubsstimmung. Genauso wie der Strandabschnitt Las Canteras im Norden Las Palmas'. Strohhutverkäufer, Surfspots, fettige Tourirestaurants, das Meer und bronzefarbender Sand. Sonnenbrand im Winter - Geil Alter!
Der Süden Gran Canarias ist geprägt von Einkaufszentren, ausgedörrten Hängen und weiten Sanddünen. Der Strand Playa del Ingles bei Maspalomas ist namengebens in englischer Hand. Ob englische Touris oder doch Kolonialisten dafür verantwortlich sind, konnte aber nie endgültig geklärt werden.

 

 

Nicht nur die Engländer des 15. Jahrhunderts fanden es Super Awesome hier, nein auch Spanier fanden gefallen an den Kanaren. In gewohnter kolonialistischer Manier wurde alles kurz und klein gehauen, jeder Stein wurde nach einem Mitglied der Königlichen Familie umbenannt und der Grundstein die Neue Welt zu erobern gelegt. Denn jede der vier Reisen Christopher Comubus' nach "Westindien" startete auf den Kanaren. Von Coruña aus ging es nämlich für die Columb'sche Reisegruppe direkt nach Gran Canaria. Hier gönnte man sich noch einen Espresso und ne Käsestulle bevor dann schließlich die viermonatige Überfahrt los gehen sollte. Die Geschichten jenes historischen Reiseblogs sollte jedes Kind kennen. Ich gehe daher über zu einem anderen  deutschsprachigen Reiseblogger der Geschichte; Alexander von Humboldt. Zwar war dieser durchaus beliebte Jüngling nie auf Gran Canaria, aber 1799 auf Teneriffa, wo auch seine Reise in die Neue Welt starten sollte. In seinen späteren Publikationen zu Ländern wie Mexiko, Peru und Ecuador bezog er sich gelegentlich auf die Schönheit der Kanaren. Völlig losgelassen hat ihn Teneriffa also nie.

Mir scheint es, als seien die Kanaren Türöffner für aufregende und inspirierende Reisen. Bleibt also abzuwarten was das neue Jahr und die Magie der Kanarischen Inseln für uns und diesen Reiseblog bereithält.

 

Bleibt gespannt und seid gedankt,

 

Herwig.