Niš (TAG 3)

"Welcome Home, Brother!"

Das Wetter hatte heute wenig Lust auf Marko und mich und zogen daher durch die Bergdörfer rund um Niš. Geplant war es mit einem Schirm durch die Berge zu gleiten aber das hätte selbst Marry Poppins nicht hingekriegt. 


Als angehender Doktor für Geschichte hatte Marko so einiges zu erzählen gewusst. Unter anderem schlussfolgerte er, dass meine Affinität zum Balkan daher komme das sich meine Vorfahren vor eintausend Jahren aus Serbien Richtung Oder bewegten. Denn was waren Sorben in der Lausitz einst? Serben! Städte wie Bautzen und Cottbus, Dörfer wie Dubrow, Flüsse wie Neiße und Oder gibt's auch allesamt hier. Naheliegend also, dass ein Buhrow einst Serbe gewesen sein musste. Was übersetzt übrigens armer Bauer bedeutet. Ein Klaps auf die Schulter und schon war ich Markos neuer serbischer Bruder. Welcome Home, Brother!

 

Schnell war klar, der heutige Tag steht im Zeichen der Identitätsfindung. 

 

STATION 1)

Abseits der Autobahn kämpften wir uns mit dem Dacia hoch zu den Bergdörfern des Umlandes. Prähistorische Verkehrsschilder, Omis und Schäfer wiesen uns den Weg zum besten Frühstück des Dorfes. 

Gebackene Bohnen mit Blätterteigkuchen - serbischer Herwiče sagt Dobre Dobre

 

STATION 2)

Um uns mal einen geografischen Überblick zu verschaffen fuhren hinauf zum höchsten Punkt um Niš. Von dort oben schaut man hinab auf den Nišava und erahnt wo es für die Sorben mal hingehen sollte. Von hier aus nach Mitteleuropa aufbrechen war sicherlich kein Nachmittagsspaziergang. Serbischer Herwiče sagt Иди напред.

 

STATION 3)

Das Frauenkloster in den abgelegenen Hängen des serbischen Hinterlandes lud uns ein, bei einer handvoll frischen Quellwassers über Gott und die Welt nachzudenken. 

 

STATION 4)

Mittagessen! Möglicherweise waren ja ein paar meiner Vorfahren üble Bonzen die im Tennisclub bei Champagner dinierten? Ach nee waren ja arme Bauern. Jedenfalls hab ich das für Sie stellvertretend nachgeholt und war im Tennisclub lunchen. Tennis ist in Serbien weniger elitär und für jedermann zugänglich. Also keine Angst, du musst hier um Tennis zu spielen nicht im Porsche vorfahren oder in einem Lacoste-Polohemd aufkreuzen.

 

STATION 5)

Zum Abschluss komme ich zum Kontrastprogramm des Tages. Die Festung, Altstadt und der Geburtsort Konstantin des Großen. Eine riesige unterirdische Römersiedlung aus dem 1. Jahrhundert, später im 18. Jahrhundert von Türken niedergerissen, mit einer Moschee, Stadtmauern und allen möglichen Schikanen überbaut. Archäologen zücken bereits an dieser Stelle den Pinsel und richten sich den Safarihut aber Kommando zurück! Daraus wird vorerst nichts, denn in den Ruinen der Stadt befinden sich heute Clubs, Restaurants und Souvenirshops in denen in Sommerabenden bei Live-Rock und Elektro gefeiert wird bis der Putz von der Decke rieselt.

Fazit: Der eine ist auf der Suche nach seinen Wurzeln und baut auf sie - Der andere bebaut sie.

Das war auch schon Tag Drei und auch der letzte Artikel zu Niš auf woistherwig.
Den kompletten Reisebericht gibt es bald auf intotheblue zu lesen.

Vielen Dank für eure Lesetreue und hoffe, dass ich euch auf Niš und Serbien neugierig machen konnte. Ein riesiges Dankeschön an Alexandra, Marko, Fiona und Mr & Mrs Management für die tolle Zusammenarbeit!

Habt euch wohl

Euer Herwig