Mallorca (23.04. - 01.05.2016)

Hola again!

 

 

Nach fast zweimonatiger Schreibpause und erfolgreicher Reintegration ins bürgerliche Leben eines gescheiterten Mitteleuropäers erreicht euch heute die Niederschrift unseres einwöchigen Urlaubes auf der "Lieblingsinsel der Deutschen", Malle. 

 

Mallorca haben wir uns nicht als Ort einer Reintegrationsabschlussprüfung ausgewählt. Die wie folgt aussähe: 1) Literweise Bier, Wein oder sonstige Spirituosen aus Eimern, Stiefeln oder diversen Körperöffnungen trinken. 2) Fremde Traditionen und Lebensweisen mit den gründlich polierten Sandalen treten. 3) Arschgeweih am Strand tätowieren. 

 

Nein, der Grund warum wir uns für Mallorca entschieden war noch viel banaler: Um nach Mallorca zu kommen muss man kein Vermögen ausgeben und die Insel ist groß und vielseitig genug um einen großen Bogen um Ballermann und Konsorten machen zu können. Außerdem hatte Claire Urlaub zugesprochen bekommen. Bestens! 

 

Was Malloze so vielseitig macht und warum sie wirklich den Namen Lieblingsinsel verdient hat, möchte ich euch anhand der folgenden exemplarischen, gewissenhaft ausgewählten und von der Jury (Claire) als Gut befundenen Kriterien erläutern.

 

Ankunft

Verlässlicher und pünktlicher als die Berliner Ringbahn sind nur die Billigflieger nach Malle. Gefühlte alle fünf Minuten fliegt eine der Low-Cost-Airlines von Schönefeld zur Beleareninsel. Die ganze Schose Hin-und-Zurück kostet in etwa so viel wie der Berliner Kurzstreckentarif (~100,-€) und maulende Lokführer bleiben einen auch erspart also alles Dufte!

Prädikat Kann man mal machen!

 

Wetter

Ja gibt es auch! Zur Nebensaison oder auch spanische Winterzeit genannt (bis 1. Mai) kann es auch mal ziemlich frisch werden. Wir besuchten M. in der letzten Aprilwoche und bewegten uns bei angenehmen 20°C, 44% Luftfeuchtigkeit und milden, vom Festland kommenden Süd-West-Wind um die Insel. Ergo Zwei Strandtage waren auch drin.

Prädikat Is halt so.

 

Hauptstadt

Als verwöhnter und rotznäsiger Zugezogener entwickelt man einen Blick auf die Hauptstädte Europas und stellt sie neben dem geliebten und gehassten Berlin im Vergleich. So nahm ich also Palma de Mallorca auf den Prüfstand: Kleinere Korrosionsschäden, unauffällige Dellen und Macken mit der Elektronik, alles in allem aber noch ziemlich hübsch anzuschauen. Der Lack ist also nicht ab, aufgrund der langen Laufzeit und der hohen Frequenzierung jedoch nichts für den kleinen Geldbeutel. 

Der Aufbau ist zugegeben ziemlich Kleinteilig. Ich musste mich geschlagen geben und einsehen, dass ich mich auch nach den vierten Tag in den engen Gassen kaum zu Fuß, geschweige denn mit Auto, zurecht finde. Die Gesamtheit aller Architekten der letzten Epochen in Palma haben es geschafft den inneren Kompass auszuschalten. Zudem haben Sie es auch geschafft das Linksabbiegen abzuschaffen...(siehe auch: Infrastruktur)

Prädikat: Was für Bastler.

 

Essen

Die tägliche Zufuhr von essentiellen Amino- und Fettsäuren sowie die Aufrechterhaltung des glykämischen Indexes mithilfe langkettigen   Kohlenhydraten ist nicht nur wichtig für Körper und Geist sondern macht einfach richtig Bock wenn man in Spanien ist und sich alles reinschaufelt was sich einem im Supermarkt oder der Speisenkarte präsentiert. Über allem noch ne Ladung Flüssigkaramell geklatscht und der Tag kann starten. Zum Mittag Paella - zum Abend Pasta Gamba und Tapas. 

Prädikat: Wertvoll.

 

Unterkunft

Heutzutage schläft man als Jünger der Generation Easy-Jet nicht mehr in abgeranzten Betten der Siebzigerjahre-Kotz-äääääh-Klotzbauten. Nee heute pennen wir, wie wir es aus unseren WGs kennen, über AirBnB in Privatwohnungen anderer Glaubensanhänger unserer Religion/Generation. Holy Shit!

 

Unsere Herbergsmutter Emanuela empfing uns beiden Wanderer für schlappe 300€ mit offenen Armen für 8 Tage Warmmiete. Wir schliefen herrlich in unserer Krippe, der Markt für Konsumgüter lag auf der anderen Straßenseite und im Bezirk Santa Catalina ging es recht gesittet und locker zu.

Prädikat: Heiligsprechung

 

Konsum

Im Urlaub deckt man sich gern mit neuen Gewändern ein und das weiss auch der mallorquinische Einzelhandel. Palmas Stadtzentrum blüht auf mit Gassen und Alleen voller Designer und Geschäften die ich nicht kannte dafür Claire umso mehr.

In Inca steht ein Outletpark im Stile dessen in der Wustermark. Schön wenn auch Modemappen wie ich noch bezahlbare Tshirts kaufen können. 

Ansonsten kann man alles erstehen was der gemeine Touri sonst noch so braucht. Ob Marmelade, Holzhandschnitz, Sonnenbrillen, Malle-Bier-Caps, Pipapo alles da.

In Sachen Trödel und Gebrauchten bin ich auch auf meine Umkosten gekommen und bin nun stolzer Besitzer einer Fahrradreklame um 1917.

Prädikat: Kenn ick - Koof ick.

 

Kunst & Kultur

Joan Miró - Gaudin - Chopin - George Sand - Robert Graves 

Kennt man alle und Sie kannten Mallorca.

Künstler die sich hier haben inspirieren liessen und mit ihren Werken und Werkstätten die Besucher inspirieren. Es gibt auf Mallorca also Quellen der Neuordnung und Denkens. Abgesehen von den mitunter absurden Ticketpreisen unter der Woche sind Besuche am Wochenende sehr zu empfehlen.

Prädikat: Weltkulturerbe.

 

Infrastruktur

Mit dem Mietwagen waren wir wirklich gut bedient. Die Konditionen waren Adäquat und das Gefühl unabhängig von Dorf-zu-Strand-zu-Dorf fahren zu können war natürlich besonders. Das Straßennetz ist vorbildlich ausgebaut, in den Kreisverkehren kann man sich gern schwindelig fahren aber Vorsicht ist in Palma geboten! Wie schon erwähnt gibt es so gut wie keine Möglichkeiten nach links abzubiegen, was erst mal nicht dramatisch klingt aber wenn sich mal ordentlich verfahren hat oder entnervt auf Parkplatzsuche ist kann es ab und an schon mal zu dezenten Wutausbrüchen kommen. Sorry an dieser Stelle an die unschuldige Autofahrerin die ich in Rage angebrüllt habe. Upsi. Leider leiden alle unter der Parkplatzsituation in Palma, denn auf rund 300.000 zugelassenen Autos (+50.000 Mietwagen) kommen gerade ein mal 50.000 öffentliche Parkplätze + 9000 in Parkhäusern die sich niemand leisten kann. Mit unserem Strafzettel von 30,- € waren wir besser bedient als für 32,- € im Parkhaus über Nacht zu stehen.

Prädikat: Wenns läuft, läufts.

 

Strände, Flora und Fauna

 

Der Purist: Den längsten und schönsten Naturstrand Europas gibt's im Süden der Insel. Es Trenc bei St. Jordi lautet die Adresse.

 

Der Vielseitige: In Platja del Muro gibt's von allem ein bisschen. Hier ne kleine Party am Abend, da ein wenig Geld an der Tourimeile ausgeben und natürlich am geharkten Strandsand die Wellen zählen.

 

Der Lover: Von Cala Santanyi bis nach Cala Figuera kann man an der Steilküste zwischen Gestein und Gischt die perfekte Bucht für Zwei finden.

 

Der Idiot: Saufen und Scheiße sein kann man gern auf El Arenal. Da war ich nicht - will ich auch nicht.

     

Sprache

Mit ein paar spanischen Floskeln und Nettigkeiten kommt man ziemlich weit und wenn man mit seinen Vokabular doch am Ende angekommen ist hilft auch gern jeder mit Englisch oder Deutsch weiter. Ja man ist hier gut - bis zu gut - auf Deutsche eingestellt. Sogar so gut, dass man sich schon fremdschämt auch einer dieser Deutschen zu sein. Komischer Fakt: In Deutschland schämt man sich fast zu sagen, dass man auf Mallorca Urlaub macht - und in Mallorca schämt man sich fast aus Deutschland zu kommen.

Prädikat: Si Si. No habla espanol. Adios. Por favor.

 

Fazit

War schön :)

 

Ich bedanke mich fürs Lesen und hoffe sehr, dass ich euch nach längerer Durststrecke den Lesestoff besorgen konnte den Ihr brauchtet.

 

Claire und ich haben vor, noch weitere Städteurlaube an den Wochenenden zu machen. Toller Nebeneffekt ist, dass ich was zum schreiben habe. Guckt also einfach bald mal wieder vorbei.

 

Hasta Luego, euer Herwigo Del Figo.