Koh Chang (TAG 54)

The Phantom of Nowhere.

 

Was ich heute schreibe werdet ihr morgen erst lesen können, wenn ich mich wieder unters Volk im Inselort mische. Grund dafür ist, dass ich mich abermals in eine Wlan-freie-Zone abgesetzt habe. Eine abgelegene Insel mit Netzwerk macht  sie für mich nicht wirklich authentisch, genau das aber hab ich gesucht, gebraucht und gefunden.

 

Mit Sätzen wie: Wird schon klappen. Irgendwas findet sich immer. betrat ich, wie schon bekannt, selbstsicher die Insel als wäre ich hier heimisch. Eine hart erarbeitete Lebemann-Kaltschnäutzigkeit also, die meinen hageren Körper durchströmt. So so.

 

Die erste Nacht auf Koh Chang begann spät in einem etwas kostspieligerem Einzelzimmer, was aber nicht negativ zu bewerten sein sollte. Wie immer kam von irgendwoher die rettende Lösung angeeilt.
Ein polnisches Paar lud mich ein mit ihnen ihr gebuchtes Hostel aufzusuchen und zum Glück war noch ein Zimmer frei. Am Strand ließen wir den Abend noch mit billigen Wein und Kokosreis mit Mango ausklingen, unterhielten uns über polnische Treppenbaukunst, die polnische Reggaeszene und die Uckermark.

 

Noch vorm Frühstück am nächsten Morgen machte ich mich auf dem Weg zum Mopedverleih. Wer braucht schon Frühstück wenn man auch mit 125cc und 80km/h über eine Insel brettern kann?
Für die nächsten fünf Tage also bin ich stolzer Mieter einer mattschwarzen Yamaha die abgeht wie Nachbar's Muschi. Im Eiltempo und unter strengen Blicken der Polizei raste ich Richtung SleepyOwl, das Hostel welches ich eigentlich für die vergangene Nacht reserviert hatte. Vergebens allerdings. Niemand hat jemals von SleepyOwl gehört oder hat es je zu Gesicht bekommen. Halb so wild, die Straßen waren noch lang genug um befahren zu werden und checkte Abseits der Touristrände am abgelegenen Long Beach ein. Nun war ich nicht nur stolzer Mieter einer Mopeze sondern auch eines eigenen Bungalows am Golf von Thailand. Alles hier ist wieder mal traumhaft schön, latent hippiedös, bezahlbar und die Leute sind herzlich und zuvorkommend. Da ich ja das Moped noch bis zum Ende meines Aufenthaltes gemietet habe steht es mir frei wann und wo ich meine Zeit verbringen möchte. Morgens am Strand - Mittags in der Stadt - Abends am Strand.
Tolles Gefühl!

 

Vielleicht sollte ich mir Visitenkarten drucken lassen:
Das Phantom von Koh Chang 
*Anzureffen: Hier, Da und Nirgends.
*Telefon: Hab nicht mal Wlan, Junge!

 

Apropos Polizeipräsenz; mir fielen auf der Insel überproportional viele Polizisten auf. Später hab ich erfahren, dass nicht nur Europäer, Chinesen und Thais die Insel zum urlauben gern haben, nein auch die Royal Family of Thailand steigt hier gern mal übers Wochenende ab. Die Prinzessin residiert hier und stellt das Inselleben ziemlich auf den Kopf. Thais kriegen Vorhofflimmern und einen Troponin-T-Wert > 2,3 µg/l (Referenzbereich 0,4 - 2,3 µg/l) wenn sie nur hören, dass irgendjemand aus dem Königshaus aus dem Bett gestiegen sei.

Eine weise Entscheidung hat die Dame aber getroffen - sich übers Wochenende hier niederzulassen. Koh Chang, die Elefanteninsel, liegt ziemlich nah an Bangkok und mausert sich ganz langsam aber sicher zum neuen Koh Phi Phi (was ich ziemlich Schändlich fände). Bisher ist die Insel am meisten von Asiaten frequentiert und ist auf der Welturlaubskarte Europas noch nicht eingezeichnet.

 

Die nächsten drei Tage schreibe ich noch aus der jetzigen Hängematte Briefe an euch. Die letzten drei Tage möchte ich eventuell noch an einem anderen Strandabschnitt abhängen.
Aber bevor ich fürs erste aus dem Land des Perlweisslächelns verbannt sein werde erwartet mich noch zum dritten Mal Bangkok.

 

Keep smiling my Honeycakeponys, euer

 

Herwig.