Siem Reap (TAG 50)

Need no Speed.

 

Gesternabend, im Bett liegend, fiel mir auf, dass ich mich in der letzten Woche ziemlich hetzend durch Kambodscha bewegt habe. Alles was ich wirklich sehen wollte sah ich - alles was ich auf dem ersten Blick nicht sehen konnte sah ich nicht weil ich nicht hingesehen habe. Verstehste?
Und so ermahnte ich mich zur konsequenten Entschleunigung.

Der Tag begann schon mal mit der ersten Entschleunigungsprüfung: Ausschlafen und auf die Uhrzeit pfeifen. Bestanden. Somit war ich in meinem gesetzten Zeitplan schon mal im Soll.
Nach einem Slow-Food-Frühstück machte ich mich, bekleidet mit dem nötigsten, zum Angkor Wat. "Sieben Kilometer" spuckte meine Handy-Applikation aus, als ich es nach dem Weg fragte. Nun gut, als alter Leichtathlet sollte das ja machbar sein. Nur im Gegensatz zum Naturell eines Athleten sollte alles ganz gemächlich zugehen. Kein Wetteifern. Kein Podiumsplatz.


Ich nehme mittlerweile wirklich an unter den Khmers gibt's einen Running-Gag der in etwa so lautet: "Schau mal, da läuft ein Weißer!" Sobald man mit seinen beiden besohlten Füßen das Haus verlässt, wird man permanent und penetrant aufgefordert in ein Tuk Tuk zu steigen. Kinder auf Fahrrädern, Invaliden in Rollstühlen, Männer und Frauen in Autos oder auf Mopeds reiben sich verwundert die Augen sobald sie einen Weißen laufen sehen. 


Der Weg war schön zu laufen, seltene Bäume waren mit lateinischer Bezeichnung gekennzeichnet (Tony, warst du zufällig schon mal in Kambodscha(?), kam mir sehr Verdächtig vor) und die Tuk Tuk Fahrer nervten noch immer ab.
Am Einlass zum Angkor Wat baten mich drei Damen Zwanzig Dollar zu zahlen um passieren zu können, von mir haben sie aber nur ein herzliches Fuck off! zu hören bekommen. An einem nächsten Einlass schlief der Pförtner seelenruhig und bin dann dort an ihm vorbeimarschiert. Auf dem Tempelgelände hab ich ein Foto für mich geschossen um mir selbst zu beweisen, dass ich schon mal am Angkor Wat war. Ich weiss das zählt eigentlich nicht aber ich war heute nicht in der richtigen Stimmung fürs tempeln.


Auf dem Rückweg mit Umwegen kam ich an einem Lotusblumenfeld vorbei. Da ich mich neben dem entschleunigen ja auch zum hinsehen verdonnerte, machte ich noch ein paar recht gute Fotos und fragte mich was der Bauer da im Feld suchte. Er fing Frösche. Die gab es Massenhaft und so suchte ich mit ihm mit. Auf die Frage was er jetzt mit ihnen mache, deutete er nur mit einem Frosch in den Fingern Richtung Mund. Sorry Frösche, konnte ich nicht ahnen!

 

Stunden später kam ich nach noch weiteren Umwegen und der Bekanntschafft eines verkohlten Scorpiones (siehe Bild) wieder im Hostel an. Der Tag hat mir bis dahin im Großen und Ganzen gut gefallen. Entgegen meinem Entschluß buchte ich mir trotzdem ein Busticket für morgen um nach Battambang zu kommen. Die Stadt klingt irgendwie lustig und zum anderen wünsche ich mir gerade nichts sehnlicher als wieder aus Siem Reap raus zu kommen. Die Stadt nervt mich so dermaßen ab! Zum ersten Mal in Kambodscha fühl ich mich Fehl am Platze. Ich hab es versucht in dem ich mir Zeit liesse - aber mehr wäre verschwendete. Siem Reap ist einfach nicht mein Ding.

 

Euch wünsche ich viel Spaß mit den Dingen die euch Freude bereiten. Sei es Feierabend machen oder die Lohnsteuererklärung ausfüllen.

 

Herwig.