Phnom Penh (TAG 40)

Heartbreaker & Valentines,

 

Den heutigen Post einzuleiten fällt mir bei weitem schwerer als das sonst der Fall wäre. Denn zum einem ist heute Valentinstag und sollte den Tag mit meiner Freundin im Bett verbringen und zum anderem bin ich aber in Kambodscha und besuchte die Choeng Ek-Völkermord-Gedenkstätte von Phnom Penh, bei der 200.000 Menschen ihr Leben ließen. Sich mit der Geschichte jedes Gastlandes auseinander zu setzen sehe ich als Pflicht eines jeden Reisenden an. Nicht nur des Verständnisses der Kultur oder Bräuchen wegen. Es gilt als Grundlage um sich überhaupt als geduldeter Gast zu verstehen.

 

Ich möchte gar nicht all zu weit ausholen, wer sich wirklich für die Geschichte Kambodschas interessiert muss sich nämlich selbst damit beschäftigen. Über den Weg meines popligen Reiseblogs berührt es persönlich wohl kaum.

Wichtigste Fakten:
* 1975 - 1979 rissen die Roten Khmer die Macht an sich, eine maotisch-nationale Guerillagruppiering
* zwangen unter Gewalt die gesamte Bevölkerung zum Reisanbau um den Übergang zum Agrarkommunismus zu ebnen
* Großstädter wurden binnen 48 Stunden "evakuiert" und auf die Felder des Landes deportiert, Phnom Penh wurde zur Geisterstadt
* anfangs wurden Interlektuelle, Künstler, Händler und Ausländer getötet, später reichte es schon nur ein Brillenträger zu sein oder lesen und schreiben zu können
* unter der Befugnis Pol Pot's wurden in 4 Jahren ca. 3 Millionen Menschen umgebracht (Gesamtbevölkerung Kambodscha's ~6 Millionen)
* Gründe wie zu spätes Erscheinen auf dem "Kollektiven Bauernhof" genügten um zum Tode bestraft zu werden.
* juristische Aufarbeitung dauert bis Heute an.

 

Was ich auf dieser Gedenkstätte gesehen, gehört und gedacht habe lässt sich schlecht mit euch per Worten teilen und verzichte daher auf eine persönliche Einschätzung. Nur eins; ich sehe die älteren Leute des Landes nun mit geschärftem Auge. Kaum zu glauben, dass das alles erst 35 Jahre her sein soll.

Die Fotos die ich anhänge sind vom kambodschanischen Aufarbeitungskomitee erwünscht um den Westen auf die Geschichte der Khmer aufmerksam zu machen. Denn auf der Anklagebank sitzen nicht nur leitende Köpfe der Roten Khmer.

 

Ich kümmere mich jetzt um meine  Valentiene. Habt ihr euch alle lieb denn Gründe dafür gibt es zu genüge. :)

 

Morgen bin ich wieder woanders und ihr werdet es erfahren.

 

Euer Herwig.