Phnom Penh (TAG 38)

Setzt euch.

 

Ich weiss es ist Freitag die neunte Stunde und eigentlich hatte ich heute vor, mit euch die Politische Bildung Kambodscha's durch zu nehmen. Aber weil es auch für mich die Neunte ist, machen wir heute Geschichte und Erdkunde. Einverstanden?

 

Alles begann am Morgen des 12. Februar 2016. Der naive Reisende (ich) setzte sich in ein harmlos aussehenden und nicht-TÜV-geprüften Mini-Van. Der elfsitzer sollte es in vier Stunden von Kratie aus nach Phnom Penh (die Hauptstadt Kambodscha's) schaffen. Als ich die 7$ dem Fahrer überreichte, hatte ich schon ein ungutes Gefühl. In diesen vier Stunden nämlich wurde ich Zeuge, wie in einem besagten elfsitzer 21 Fahrgäste plus Moped plus Huhn Platz nehmen würden. Als langer Hansel ganz hinten links, kuschelnd mit der Fensterscheibe und als einziger Ausländer, der den dreifachen Ticketpreis gezahlt hatte - kam ich mir etwas verarscht vor. Mein einziger Gedanke während der Fahrt: Was für ne Scheisse!

 

Am frühen Nachmittag des selben Tages also erreichte der naive Reisende die 1,5 Millionen Hauptstadt der Khmer. Circa zehn Taxifahrer haben das aber auch mitbekommen und droschen wie Zombies auf Methamphetamin auf den nicht-TÜV-tauglichen-Bus ein um die ahnungslosen Fahrgäste in ihren Taxis zu zerren um dann wie im Rausch ihr Portemonnaieinhalt auszusaugen! Schrecklich!
Der Naivling jedoch bewies Ellenbogen und schüttelte sie mit versteinerter Miene ab. Denn wenn mich Bangkok ein gelehrt hat, dann: Nach Bangkok ist alles andere wie Kindergeburtstag.

 

Hostelzimmerfinden funktioniert immer nach gleichem Schema: Taxizombies los werden - ein nettes Café aufsuchen - Icecoffee bestellen (mehr Zeit für Wlan) - Wlan erfragen - Hostels in der Umgebung absuchen - reservieren - ausreichend Screenshots vom Weg zum Hostel machen - Rechnung bezahlen und sagen dass der Kaffee unglaublich war - Hostel finden.

 

Mein heutiges Hostel war gute zwei Kilometer entfernt aber den Weg durch die Stadt zu nehmen ist es immer Wert. Die Innenstadt hat mir auf Anhieb gefallen, man merkt dass hier was passieren wird. Überall werden Wolkenkratzer hochgezogen, die Prachtstraßen sind großzügig bemessen. Lange Jahre nämlich hatte Phnom Penh den Ruf der langweiligsten Großstadt Südostasiens weg. Das Hostel ist wahrlich ein Backpackerluxustraum. Funktionierende, wärmeregulierende Duschen, saubere Betten und das in einem großem Raum.

 

Bis eben irrte ich noch im Labyrinth der Arbeiterslums umher, latschte unwissendlich in eine Hochzeitsgesellschafft und wurde wieder beäugt als hätte ich grad ein Heiligtum angepisst aber es waren nur die Blicke der Leute, die hier keinen Weißen erwarten.

 

Morgen ist Samstag - und Samstags wird ausgeschlafen. Ab ins Wochenende mit euch und wir lesen uns morgen wieder. Grüße und Op'gun, euer

 

Herwig.