Pakse (TAG 33)

Óla,

 

Heute fang ich bei Gestern an. Nachdem wir uns noch zwei Bierchen reinpfiffen hieß es für mich doch auf Hotelzimmersuche gehen. Leider war das Guesthouse in dem meine gestrigen Bekanntschaften schon vorab eincheckten bereits belegt. Nicht so schlimm, hab mir ebend das erst beste Zimmer am Platz genommen und bin seelenruhig in den Armen Pakse's eingeschlummert.

 

Am Morgen erblickte ich Pakse's wahre Gestalt!

Nach einem Fruchtsalatfrühstück (ich hasse Bananen immer noch) und einem starkem Kaffee suchte ich ein günstigeres Gästehaus auf, schmiss den Rucksack in die Ecke, packte mein Beutel, griff zu Wanderstock & Gesangsbuch und machte mich auf um Pakse's wahre Gestalt zu entdecken. Nach einem einstündigen Spaziergang zwischen Müll und Mekong visualisierte sich für mich das Antlitz Pakse's. Stellt euch eine dicke, miesgelaunte Omi in Kittelschürtze vor, die tagein tagaus in Ihrem Kessel Nudelsuppe rührt, minütlich abschmeckt und ausspuckt. Warum auch immer mag man Sie irgendwie - auch wenn man es nicht erklären kann.

So also kann man sich Pakse vorstellen.

Berlin hingegen stell ich mir eher wie eine 23 jährige, quietschende, statt-Antibabypille-lieber-Extasy-schluckende Jaqueline im Kaufrausch vor.

 

In der Mittagshitze zwischen hunderte Jahre alten Kolonialvillen erinnerte es mich hier ein wenig an diesen kleinen, ungeachteten Dörfern in Portugal. Trockene Öde, verbrannte Palmen, rostende Springbrunnen, streunende-abgemagerte Hunde und Katzen. Nur zwischendurch steht mal ein Tempel oder ein Schrein am Straßenrand und wird zurück nach Südostasien katapultiert. 

Die Mönche schauen misstrauisch und denken: "was wohl der Trottel in der Mittagssonne vor hat?" Der Ladyboy möchte gern mal meinen Bizeps anfassen. "Geht klar!" sagt er bestimmt und flitzt kiechernd zurück in seinen Laden.

 

Nach solch fadolastiger Romantik verschlug es mich fern ab der Touriwelt wieder mal Richtung Stadion und den Außenbezirken. Wie schon in Ventiane versprach ich mir das zu sehen was den meisten verborgen bleibt, nämlich stinknormalen Alltag der Menschen hier. 

Frei nach meinem Lieblingsmotto: Let's get lost! (Lass uns verlorengehen)

 

Gut, dort angekommen tat sich nicht viel. Die heruntergekommenen Katakomben des Stadions dienen nur noch als Unterkunft für Obdachlose und 

bevor ich noch aufgefordert würde mein Geldbeutel zu zücken, hab ich mich lieber wieder schnell ausm Staub gemacht. Stinknormaler Alltag eben. Die andere Straßenseite hingegen sah schon einladender aus. Ein riesiger Markt der mich zurück in die Zeit des alten Polenmarktes versetzt hat. Tausende Stände mit allenmöglichen Schnulli: Deutschlandtrikots mit drei Streifen und einem Nike-Häkchen, Hundewelpen, ausgeschlachtete Motoräder, usw..

 

Über den Außenbezirk bin ich zurück in die Comfort-Zone gelaufen. Die Leute haben nicht schlecht gestaunt hier einen Weißen anzutreffen. Erst Skepsis dann Saibbadee (Hallo), so sollte es sein - so ist es schön. Trotzdem sollte man lieber nicht nach Sonnenuntergang dort neue Freunde suchen wollen.

 

Morgenfrüh geht's weiter nach Dhon Det; einer der viertausend Inseln an der Kambodschanischen Grenze. Praktischerweise heisst diese Region 4000 Islands, also kaum zu verfehlen...

 

Sonnigen Sonntag euch und passt auch ihr auf euer Handgepäck auf.

 

Herwig.