Kratie (TAG 37)

Expedition Faule Ratte in Kambodscha, (11.2.2016)

 

Land voraus! Kratie auf zwölf Uhr. Außentemperatur 39°C, Regenwahrscheinlichkeit 0%.

Noch bevor die feuerrote Sonne über Stung Treng hing, ging es schon weiter nach Kratie. Immer südwärts dem Mekong folgend für vier Stunden. Währenddessen wurden meine Ohren von Khmer-Musik durchgeknetet, eigentlich ein durchgängiges, vierstündiges Lied. Denn ausser debiles Angejaule eines Khmer-Romeo an seine abwecheselnd angewidert oder schüchtern dreinblickende Khmer-Julia hat die Musikindustrie Kambodschas nicht  viel Abwechslung zu bieten. Aber immer noch besser als vier Stunden David Guetta hören oder Friends schauen. (Nimmt man wirklich an jeder Weißer hört und schaut in der Heimat nichts anderes?)

 

Apropos Weißen-Standard; egal ob man sich auf einer kleinen Insel im Mekong, auf einer Gebirgszunge des Himalajas oder in einer zwielichtigen Pension einer Kleinstadt befindet. Egal ob es dort fließend Wasser oder Essbares gibt - oder nicht. Es gibt immer WLAN! Keine superschnelle Verbindung aber für Whatsapp und zum bloggen reicht es allemal. Das hat zwar zur Folge das der Satz nach der Begrüßung immer "Do you've got the wifi-key for me?" lautet aber scheiß drauf.

 

Mein erster Eindruck von Kratie: is ja janz nett hier! Nach etwas rumgeirre hab ich ein Backpackerhostel gefunden und penne die nächste Nacht wieder für nen schmalen Taler (~2€) in einem Schlafsaal. Wlan ist auch dufte also alles easy. UND es gibt eine Bar aufm Dach. Ich glaube das sind genug Gründe mich hier noch ein bisschen länger einzuquatieren.

 

Auf der gegenüberliegenden Seite Kraties erstreckt sich eine kilometerlange Sandbank namens Khon Trong im Mekong. Hier hab ich mir wieder ein klappriges Rad gegriffen und bin die Insel erkunden gefahren. Wirklich überrascht hat mich das Gefühl als Touri die Insel so wahrzunehmen, als hätte es hier nie Tourismus gegeben. Sozusagen ein Wild-East-Eco-Resort. Als alter Öko-Spinner gefiel mir das alles sehr gut und wer noch schnell die letzten Süßwasserdelphine fotografieren möchte kann mit einem Kahn von der Insel aus raus fahren. Aber als alter Öko-Spinner denke ich, kann man die letzten 60 Exemplare auch einfach mal in Ruhe lassen.
Info: Irawadidelphine sehen aus wie Flipper mit Makrozephalie.
Ornithologenherzen schlagen aus dem Takt wenn sie solch seltene Vögel wie die Mekong-Bachstelze, die Barttrappe oder den Rotbürzelspecht zu Gesicht bekommen (Quelle: Lonely Planet) Ich kann sie zwar nicht voneinander unterscheiden oder gar deuten aber es ist trotzdem irgendwie schön zu wissen.

 

Übrigens hab ich noch rausgekriegt was es mit diesen vergammelten Pflanzenresten unterm Bett auf sich hatte. Damit beugt man hier die Ausbreitung von Bettwanzen vor, beziehungsweise meint man sie damit wieder los zu werden. Nichtsdestotrotz hab ich bisher alles Richtig gemacht und mich nicht in ein möglicherweise verwanzte Betten schlafen gelegt. Die Kumpels möchte ich nicht nach Deutschland importieren.

 

Ich hoffe ich konnte ein paar Grad Wärme und etwas Sonnenschein nach Deutschland exportieren, euer

 

Herwig.