Koh Rong (TAG 42)

Wenn der Dschungel raved.
Den heutigen Post werdet ihr erst morgen lesen können. Klingt komisch aber das liegt daran, dass ich an einer von Gott zungengeküssten Insel ohne Wlan verweile.
Als ich gestern Nachmittag in Koh Rong anlegte war ich schon hin-und-weg. Was solle da noch kommen? In meiner mittlerweile schamlosen Art Leute auszuquetschen, erfuhr ich, dass ich mich lieber schnell auf die Socken machen solle um noch Rechtzeitig am richtigen Strand anzukommen. Der liegt auf der gegenüberliegenden Seite der Insel und ist nur durch einen Dschungelpfad erreichbar. Und nicht irgend ein Pauschalurlauber-Highway - Nein ein verdammter Dschungel mit Kobras, Black Mambas, Riesentausendfüsslern und Skorpionen. (Erfuhr ich zwar erst am anderem Ende des Pfades, aber OK...) Der Weg war beim Auf-und-Abstieg mit fünfzehn Kilogramm Gepäck zwar ziemlich kräftezehrend aber am Ende, als mich der bevorstehende Sonnenuntergang begrüßte war alles vergeben und vergessen. Selten kam in mir solch ein Gefühl von Glück auf.
Im Grunde ist es nur eine stillschweigende Bucht im endlosen Golf von Thailand. Es gibt weder eine echte Stromversorgung, Infrastruktur oder Geschäfte. Dafür wird so ziemlich alles über Solarpanels gespeist. Nur wenige Besucher verirren sich hier her, sodass wir circa zu dreißigst gemeinsam unsere Zeit mit Gesprächen oder zuprosten verbringen. Nachdem mir ein Bett für die Nächte zugewiesen wurde, machte ich die Bekanntschaft mit drei Deutschen. Ein Paar aus Koblenz und ein Macker aus (ratet mal.....) Frankfurt (Oder)! Wir beide konnten es nicht glauben. Wie oft kommt es schon vor, dass sich zwei Typen aus einer nicht-mal-50.000-Einwohner-Stadt, auf einer einsamen Insel in Kambodscha treffen? Wahrscheinlich nicht so häufig.
Er erzählte und erklärte mir gern alles was ich über den Strand wissen müsse, zum Beispiel dass am Abend noch ein Rave im Herzen des Inselwaldes stattfände, das offene Wunden einfach nicht heilen würden oder diese Geschichte:
"...Vor einigen Jahren haben sich ein paar verrückte Deutsche und Franzosen dazu entschlossen hier zu bleiben und vier Bars, Baumhäuser, Hängezelte, einen Gemeinschaftsschlafsaal und eine Tauchschule aufzubauen und zu betreiben. Die Pacht wurde in einem Zehnjahresvertrag mit dem Inselbesitzer festgeschrieben und seitdem geht es hier allen prächtig..."
Die Natur; der weiß-quietschende Sand, der Dschungel, die Küste und das Meer sind unbeschreiblich schön. Leider unbeschreiblich, Sorry! Ich hätte mir nie im Leben erträumen können, dass ich tatsächlich mal auf solch einen Ort treffen würde.
Die Bilder sprechen sicher für sich.
Als die Sonne längst unterging konnte ich nicht einfach tatenlos im Bett liegen. Auch ich wollte auf dieser nicht-alltäglichen Dschungelparty dabei sein. Schuhe wurden geschnürt und rein ins dunkele Dickicht. Nach zwanzig minütigen Gequäle stand ich also in Mitten einer gerodeten Fläche zu klängen Neunzigerjahre-Technos im Tropenwald einer Insel im Südostasiatischen Ozean. Diese Gewissheit ließ den Abend, auch mit beschissener Musik, zu einem ganz besonderen werden.
Am nächsten Tag machte ich das einzig logische - nicht viel! Nur schreiben, lesen, essen, schwimmen und schmachten. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Da mir ziemlich schnell das Bargeld ausging hatte ich zumindest einen triftigen Grund die Insel wieder zu verlassen und meine Reise fortzusetzen. Was wohl gewesen wäre gäbe es dort einen ATM?
Wenn ihr es bis hier hin zu lesen geschafft habt ohne euer Handy oder Computer ausm Fenster zu schmeißen, dann beglückwünsche ich euch herzlichst und lasse euch wissen, dass ich wieder unterwegs bin. Der nächste Zwischenstopp ist Kampot. Sollte es möglich sein - lesen wir uns wieder vom Festland aus.
Euer Herwig.