Koh Kong (TAG 47)

Kamea in Kambodscha.

Das war ein Sonntag wie ich ihn liebe.
Frische Luft, Bewegung, gutes Essen, einen Mittagsschlaf und eine Massage. Wat willste mehr?

Als die trüben Augen das Tageslicht vernommen, die dreckigen Ohren den Hahn krächzen hörten und die graue Masse unter der Schädeldecke eins-und-eins zusammen zählte war es an der Zeit die Bambushütte zu verlassen. Großes stand nämlich an; die Wandertour durch den Mangrovenwald Koh Kong's. Noch schnell was in den Schlund geworfen und schon fand ich mich auf einem Kutter Richtung Inselwald wieder. Neben meiner Belanglosigkeit gesellten sich noch eine handvoll Franzosen dazu. Nette Leute aber eine Unterhaltung kam nicht zustande. 
Nach der einstündigen Fahrt durch den anfangs noch stinkenden Stadtfluss,  etwas später dann zwischen den dichtverschlungenen Wurzelgeflechten der immer-dürstetnden Bäumen kamen wir am Ufer einer unbewohnten Insel im Flussdelta an. Sehr nach meinem Geschmack.
Ein Bambusstock wurde mir in die Hand gedrückt, nach dem Motto Hier, das ist dein neuer Kumpel, und los ging's. Fußbrecherische Wurzeln und Steine wurden geschmeidig überwunden, fast schon überflogen. Denn wer versteht, wie man sich in und vor einem berliner Club zu bewegen weiss um vorwärts zu kommen, für den ist ein Dschungeltrail wie das Kamea in Frankfurt (Oder). Spaß beiseite, das wandern war wirklich anstrengend und war eher verblüfft, dass ich so gut mithalten konnte.
Die erste Station war ein Aussichtspunkt um über die Wälder zu blicken. Sehr sehr schön und auch Selfie-tauglich, wie meine Mitstreiter bewiesen.
Ein Wasserfall begrüßte uns an Station Zwei, 
zwar etwas müde um diese Jahreszeit aber dadurch zum schwimmen geradezu einladend. Buxe runter und rein um mit den Fischen zu kämpfen! 
Das Wasser war angenehm kühl und perlenklar, das fischreiche Becken wurde anschließend geplündert um uns einen kleinen Snack zuzubereiten. Natürlich ökologisch nachhaltig. Unsere Guids waren zugegeben ziemlich smarte Kerlchen. Da wurde die lange Jogginghose fix zum Schleppnetz umfunktioniert und die Bananen und eine priese Reis wurden zum Köder. Wenig später drückte uns der Mann am Grill jedem einen Bambusstock voller Fische in die Hand. Genügsam gingen die Fischchen ihren letzten Weg des Ösophagus' hinab.
Zufrieden und gesättigt erklommen wir Station Drei. Es erwartete uns eine Lagune im Strom des Inselflusses und wieder hieß es Buxe runter und rein! Herrlich dieser Sonntag.
Insgesamt dauerte unsere Wandertour vier Stunden, die aber verflogen wie Plastiktüten in einer kambodschanischen Großstadt. Irgendwann war die Herlichkeit zu Ende und stiegen am Ufer der muffigen Stadt aus.

Am späten Nachmittag suchte ich nach all den "Strapazen" noch ein Massagestudio auf. Mein Blick richtete sich auf ein ganz bestimmtes. Ganz ohne Happy-Endings und all den üblichen Quatsch. Sondern Massagen, die von Erblindeten gegeben werden. Ich denke es ist eine wirklich gute Sache, in diesem Land Blinden zu ermöglichen eine bezahlte Beschäftigung nachzugehen. Dazu sind sie auch wirklich gut und ihr Geld wert.

Das war mein Sonntag, ich hoffe euer wird ähnlich entspannt. Denn morgen ist wieder Montag...

Euer Herwig.