Kampot (TAG 44)

Easyrider.
Der Bart wehte im Einklang des Windes, die Augen fokussierten das grelle Ende der Straße, die rechte Hand schmieg sich wie eine Katze um den Griff und das Gefährt stotterte mit letzter Kraft den Berg hinauf. So könnt ihr euch meine heutige Mopedtour im umliegenden Nationalpark Bokor vorstellen.
Aber beginnen wir beim Anfang, so wie es sich gehört. Nach meinem Hostelwechsel um näher am Ufer zu sein aber auch keinen Taler mehr bezahlen zu müssen, besorgte ich mir den genannten Gefährten. Die Fünf Dollar für die 24-Stunden-Mopedmiete gingen fast geistesabwesend über den Tresen. Mit meinen Gedanken war ich längst hupend mit einer Harley auf den Straßen Kambodschas unterwegs. Als ich wieder zu mir kam stellte man mir mein neues Spielzeug vor. Ein pink-getigerten Östrogenbomber mit leichten Kolateralschäden. Mein Gelächter nützte nichts und zum streiten bin ich grad nicht in der Stimmung. Ich denke die Mopedvermietung erkannte folgende zwei Scenarien:
1) Wenn wir diesem Typen ne ordentliche Karre geben kommt es zu einer spontanen, unkontrollierbaren Testosteronexplosion und Unschuldige werden in Mitleidschaft gezogen.
Oder
2) Sie dachten sich gar nichts und sind einfach nicht so sexistisch wie ich.
Nichtsdestotrotz waren Östrogenia und ich ein gutes Team, erklimmten schnaufend die Pfefferberge, hatten einen unglaublichen Ausblick von der alten französischen Hotelruine und überholten die Locals spielend. Bergab.
An einem Streckenabschnitt brüllte mit eine Werbetafel penetrant Wasserfall! entgegen. Alles klar wollte ich sehen (!) aber es gab nichts zu sehen. Außer den drei kilometerlangen Trimm-dich-Pfad im Wald. Und ich dachte nicht eine Sekunde daran mich an den Stationen zu beteiligen, wenn am Ende nicht mal ein Wasserfall auf mich wartet!
Auf einen anderen Pass, der dann tatsächlich zum Wasserfall führte, lernte ich Medi kennen. Ein Tunesier, er reist weil man ihm mittlerweile die Unterkünfte fürs Schreiben bezahlt. Wer in Französisch der Lehrerliebling war, der kieke mal hier vorbei www.asianwanderlust.com
Zum Bokor Nationalpark; in 1080 Metern Höhe steht ein verlassenes Hotel, eine Kirche und ein Kasino die zur französischen Kolonialzeit erbaut wurden. Als 1976 die Roten Khmer in dieses Gebiet vorrückten wurden alle Gebäude aufgegeben. Heute wirkt es wie eine Geisterstadt am höchsten Punkt des Umlandes.
Nach den heutigen Ritt bereute ich es busfahrend zu Reisen. Mit einem Moped durch die Länder zu brettern wäre unkomplizierter gewesen. Aber ich möchte mich gar nicht beschweren, ich hab's eh schon viel zu gut!
Morgenfrüh führe ich die zweirädrige Lady noch zum Frühstück am Badeort Kep aus, dann sollten wir es aber dabei belassen. Gegen Mittag muss ich sie wieder Zuhause abliefern und mich wie ein echter Gentleman zu benehmen wissen.
Wir lesen uns morgen. Denkt daran; Freitag ab Eins - macht jeder Seins. Lasst den Hammer fallen und ab ins Wochenende.
Herwig.