Battambang (TAG 51)

Erwacht in Indochina?
 
Auf meiner fast letzten Station durch Kambodscha und nach meiner gestrigen Miesepetrigkeit erwartete mich die kleine Künstlerhochburg Battambang.

Die zweitgrößte Stadt des Landes nach Phnom Penh, zählt aber trotzdem zu den Kleinstädten. Gut erhaltene Kolonialvillen machen den Charme Battambangs aus und ist unter rucksackaphinen Reisenden einer der Top-Empfehlungen für Kambodscha. Wie schon bei der Ankunft in Kampot hatte ich nicht die leiseste Ahnung was mich wohl erwarten würde.
Aber was weiss ich nach sechs Wochen Südostasien ganz bestimmt?
Hier eine Zusammenfassung:
Woran erkenne ich, dass ich in Indochina aufgewacht bin und wie soll ich damit umgehen?  
 
1) Die Leute um dich herum verstehen dich zwar nicht aber sind dennoch so unglaublich freundlich, das es dir schon unheimlich vorkommt? Keine Angst, Sie sind einfach freundlich.
2) Du hast keine Käfer im Bett? Super! Dann hast du sie sicher bald aufm Teller. Früher oder Später.
3) Autofahrer, Mopedfahrer, Tretrollerfahrer, Fahrradfahrer, Fährfahrer, Busfahrer, Taxifahrer, Baggerfahrer und überhaupt alles was gefahren werden kann. Jeder wird pausenlos und exzessiv Hupen, du wirst nicht verstehen wieso? - es macht ihnen einfach Spaß. Du fürchtest dich vor dem Straßenverkehr? Lebe mit deiner Angst.
4) Das Essen wirst du nicht kennen aber es wird dir schmecken! Kokosreis mit Kidneybohnen im Bambusrohr gebacken, sonnengedörrtes Fleisch X-beliebiger Herkunft (was es mal war wirst du nie erfahren und wird dir auch bald Schnuppe sein) oder salzig-scharfer Salat aus tropischen Früchten.
5) Dir ist so verdammt warm in deinen Klamotten, am liebsten wärst du den ganzen Tag im Strandoutfit unterwegs? Gehört sich aber nicht! Du fragst dich warum die Einheimischen bei 38°C mit langer Hose und Pullover unterwegs sind? Das weiß nur der Herr Gott. Oder Buddha oder die ganzen anderen Kumpels.
6) Du hast es eilig? Pech gehabt. Niemanden hier eilt es, fang erst gar nicht an, dich auf Uhrzeiten oder Termine einzustellen.
7) Die Musik findest du erst amüsant dann ätzend und dann singst du in einer Fantasiesprache mit. In dieser Reihenfolge. Bei jedem Lied.
8) Die Preise findest du anfangs noch Spottbillig - kriegst dann ein Gefühl für den wirklichen Warenwert - kapierst den Wechselkurs endlich - auf ein mal findest du  alles übertrieben teuer - handelst was das Zeug hält - wirst paranoid und bist der Meinung jeder hier will dich abziehen.
Ist auch so. ;)
9) Du steckst in der Patsche und weisst nicht mehr weiter? Keine Sorge. Zähle bis Zehn - irgendwie, irgendwas oder irgendwer holt dich da wieder raus. Es gibt immer einen Plan-B.
10) Du hast es bis hier hin zu lesen geschafft ohne Durchfall gehabt zu haben? Dann bist du nicht Südostasien.

Solltest du aber!
Zurück zu Battambang. Die Stadt machte nach dem Ausstieg schon Lust aufs Bleiben. Es ist tagsüber (zumindest) entspannt, ruhig, kreativ und ich bemerkte die Anwesenheit von Hippies und Alternativen. Mein Hostel warb mit absurd günstigen Preisen. Ein Bett für zwei (2!) Dollar, für Sauberkeit und gutem Netzwerk. Da strahlten bei mir die Augen, denn zugegeben ich mache mir etwas sorgen um mein Budget. Ist aber glaube ich ein Phänomen des deutschen Naturells. Ob ich mit meinen Einschätzungen (Battambang & Budget) richtig liege wird sich zeigen.
Ich geh gleich raus spielen bis die Sonne untergeht. Euch wünsche ich viel Spaß mit den Spielchen, die euer Leben so mit euch treibt und Peace out.
Euer Herwig.