Bangkok-Abu Dhabi-Frankfurt Main-Berlin (TAG 62+63)

Du musst dein Ändern leben.

 

"Du musst dein Ändern leben" las ich vor einem halben Jahr auf einem Bierdeckel in irgendeiner ranzigen Kneipe in Berlin. Zu jener Zeit noch eine nette Floskel mit einem gewissen Tiefgang - und heute die Überschrift meines letzten Posts meiner zweimonatigen Rucksackreise. Jene Bierdeckelpoesie brachte mich dazu den nächsten Schritt zu wagen.
Sei es die Kündigung vor zwei Monaten oder nach manch quälenden Reisen mit einem breiten Grinsen neues Land zu betreten.
Was auch immer kommen möge, ich kann wieder optimistisch und gestärkt nach vorn blicken. Im letzten Jahr hatte ich allen Grund meinen Optimismus aus der Hand zu geben. Es war Teil des Prozesses und ich verlor mich in komplizierten Gedankenschleifen. Um mich nicht der Routine und den immer selben Gedankengängen auszusetzen brauchte ich diese Reise als Ventil, als Initiator, als Ende und Anfang.

Über vieles hab ich geschrieben, vieles wurde (hoffentlich) gelesen - das meiste aber bleibt in meiner Erinnerung. Die Lebensgeschichte jedes einzelnen mit dem ich Zeit auf der Reise verbrachte, Bilder die man selbst gesehen haben muss um sie irgendwie zu verstehen oder die komischen Situationen die trotz großer Mühe einfach nicht wiedergeben werden können oder müssen.

Wieso fliegt man eigentlich um den halben Globus um irgend etwas zu finden, und was? Die Antwort lautet zumeist Mich selbst. Klingt irgendwie schrullig und abgedroschen aber es ist was dran. Gut, viele andere suchen und finden auch Sex, Drogen, Alkohol oder kranke Partys zu unverschämt wenig Budget. Aber es gibt tatsächlich noch jene, und das sind nicht wenige, die nur mit dem Nötigsten losziehen und das Unbequeme bevorzugen um seine eigenen Grenzen auszuloten. Es bringt nicht nur jede Menge Spaß mit sich, man lernt nicht nur jede menge Leute dabei kennen sondern auch sich selbst.
Wie weit komme ich mit meinen Englischkenntnissen eigentlich? Kann ich zwei Monate drei mal am Tag Reis essen? Kann ich meinen Ekel vor Kakerlaken und Ratten etwas herunterfahren? Kann ich mit wildfremden Leuten ins Gespräch kommen? Sehr weit, Ja, Ja und Ja!
Ohne Theo und die geschlossenen Bekanntschaften mit den Brighton-Beachboys, Mimi & Scarlett, Graham, Olga, Kai, Han, Dvane & Gerald, Jan & Aljaž und die vielen, vielen anderen wäre der Trip ziemlich langweilig geworden. Danke Dudes.

Durchs Schreiben und das Wissen das jede Zeile gelesen wird hab ich mich in der kompletten Zeit nicht ein einziges mal einsam gefühlt.
Danke Familie, Danke Claire, Danke WG.
Danke an die zahlreichen Mitleser und Danke für die tollen Resonanzen.
Wie gesagt; vorerst herscht hier Sendepause aber sobald mich das Fernweh wieder packt - packe ich den Rucksack und stopfe diesen Blog wieder voll mit wahren Begebenheiten aus fernen Ländern.

Geschrieben irgendwo zwischen Abu Dhabi und Frankfurt am Main.

Pablo Moses - Music is my Desire
(gehört auf Koh Chang)

Fat Freddy's Drop - Never Moving
(gehört in Kampot)

Dire Straits - Lady Writer
(gehört auf Koh Tao)

The Black Keys - Weight of Love
(gehört zwischen Bangkok und Abu Dhabi)

Kendrick Lamar - To Pimp a Butterfly (Album)
(gehört zwischen Abu Dhabi und Frankfurt)

Peace out.
Herwig.