Bangkok (TAG 60)

In Konsumlust.

 

Der sich ständig ändernde Geruch, der Schmutz, das besonders gelbliche Licht, die Stinkreichen, die Bitterarmen die anhaltende Hitze, die rasenden Menschenmassen, das Absurde, das Normale, das Bekannte - ich bin zurück in Bangkok.

 

Zum nun dritten Mal kehrte ich in zwei Monaten in Bangkok ein. Einige kleine, nur für meine Augen erkenntlichen Details änderten sich - das große Ganze aber blieb. Die fünfzehn Millionen Menschen blieben, die großen Bahnhöfe und Straßen waren auch noch an Ort und Stelle. Nur die kleinen Geschäfte, in denen ich vor kurzem noch aß sind mittlerweile wieder geschlossen oder teils umgebaut. Einige Verkäufer erkenne ich - und sogar einige Verkäufer erkennen mich wieder. Ein schönes Gefühl nicht in der Backpackeranonymität versunken zu sein. Mein Lieblingshostel in der gesamten Zeit öffnete mir auch dieses Mal wieder seine heiligen Sechsbettzimmer und so verbringe ich in voller Glückseligkeit die letzten drei Nächte in Chinatown. Jan und Aljaž sind mir gefolgt, sind auch vollends begeistert und schlagen uns seither zu dritt mit vereinten Kräften durchs Gewusel.

 

Der  standardgemäße Ausflug für baldige Heimkehrer stand uns heut bevor; das shoppen im größtem Flohmarkt der Welt, der Chatuchak-Wochenendmarkt im Norden der Stadt.
109.265 Quadratmeter, 14.000 Buden, 400.000 Besucher am Wochenende stehen für sich. Der Markt ist verdammt noch mal riesig, unüberschaubar und der wahr gewordene Traum eines jeden Pfennigfuchsers und Feilschfetischisten. Alles was irgendwie mit Thailand oder Südostasien in Verbindung steht kann hier relativ günstig eingetütet werden. Selbst DHL bietet auf dem Gelände seine Dienste an. Wenn jemand es mit dem Shoppen etwas übertrieben hat kann er seine Errungenschaften lässig über den Postweg nach Hause nachschicken lassen. Clever sindse ja!

Ich für meinen Teil habe mich auf das beschränkt, was ich wirklich mit nach Deutschland nehmen möchte.
Kleine Aufmerksamkeiten für die Liebste(n), ein paar T-Shirts, ein Reisgefäß und ein Cap. Schuhe wären mir auch lieb gewesen aber da kommen wir zum ersten Problem.
A) Gefälschte Markenschuhe über Größe 44 gibt's nicht.
B) Wenn man keine Fakeware erstehen kann/möchte (wegen A) bezahlt man sich an gebrauchter Markenware Dumm & Dämlich.
Darstellung: neue Plagiatware für 10€ - getragene Markenware für 25€. Zu unserem Erstaunen waren nur die wenigsten Händler bereit auch nur 50 Cent mit dem Preis herunter zugehen.

 

Nach einiger Zeit ist mir im Secondhand-Areal etwas sehr komisches und markantes Aufgefallen. Das alles hier ist kein "Flohmarkt" sondern ein Ausverkauf kleidergespendeter Waren aus den USA und Europa! Denn wie viele Asiaten tragen Markenwaren in Größen L oder XL, tragen Fußballrikots eines deutschen Kreisligavereins oder tragen Schuhgröße 45 - 47? Wir kamen uns schon etwas albern und verarscht vor völlig überdrehte Preise für Klamotten zu bezahlen, die wir selbst noch vor einiger Zeit an Bedürftige gespendet haben. Auch eine Art Wirtschaftskreislauf aber nicht Sinn der Sache.


Erleuchtet, entlarvend und etwas ernüchtert verließen wir nach einer sechsstündigen Odyssee den Markt und machten uns zurück zum Hostel. Das Abendessen schaufelten wir uns genüsslich rein als würden wir fürs erste nicht mehr in diesem Genuss kommen und tauschten noch einige Geschichten aus.

 

Ich wünsche euch morgen einen guten Start in die Woche und versüße euch gern den Tag mit dem fast letzten Post meines öffentlichen Reisetagebuchs. Es liegt in euren Händen!

 

Bis Morgen, euer

 

Herwig

 

Anhang: Leider gibt es heute keinen ausgiebigen Fotoanhang weil das fotografieren auf dem Marktgelände größenteils untersagt war.